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Rheinische Post / 1991 „Old Country Folks" stellen ihre erste Kassette vor

Ein Countrytraum für unterwegs

 

WESEL. Davon träumt wohl jeder Country-Fan: Mit heulendem Motor den tonnenschweren Truck starten, Blinker raus auf den endlosen Highway und dann die Kassette in die Anlage schieben: Laute Countryklänge erfül­len das Führerhaus. Der Traum des neuen Cowboys wird wahr: allein mit seinem Truck und seiner Musik. Trucks und Highways bis zum Horizont werden in Wesel wohl ein Traum blei­ben, aber einen anderen können sich die Countryfreunde aus der Kreisstadt ab heute erfüllen. Die „Old Country Folks" bringen ihre erste eigene Musik­kassette heraus: Passender Titel der Ei­genproduktion: „Welcome Country".

Die fünf Weseler Musiker vertrauen dabei auf zwölf Klassiker amerikanischer Countrysongs und gehen bei ihrem er­sten Werk verständlicherweise kein Ri­siko ein, denn: „Wenn du eigene Kom­positionen bringst, dann stehen sofort die Leute auf der Matte, die sagen: Das habt ihr doch geklaut", erläutert Johan­nes Lohbeck von den „Old Country Folks" die Auswahl der Titel, bei denen Kris Kristofferson, Johnny Cash und Willie Nelson Pate standen. Erst ein Jahr ist die Truppe zusam­men, warum dann so schnell ein eige­nes Tape? „Nach unseren erfolgrei­chen Konzerten 1990 kamen immer wieder Country-Fans zu uns, die wissen wollten, ob es auch Platten von uns ge­be." Stattdessen griffen die fünf Cow­boys zur Musikkassette, und auch die Erklärung dafür ist schnell bei der Hand. Weil Langspielplatten nun mal umständlicher zu transportieren seien und, siehe oben, des Country-Traums auf der Straße wegen.

„Country-Kassetten sucht man in vielen Schallplattengeschäften vergeb­lich, aber an fast jeder Autobahnfast­stätte gibt es sie gleich kistenweise", weiß Lohbeck, der sich selbst auf sei­nen Fahrten dort eindeckt. Diese Mu­sik will eben live oder unterwegs kon­sumiert werden, basta. Gassenhauer wie „Country Roads" oder „On the Road again" sprechen da auch auf der Weseler Country-Cassette eine deutli­che Sprache.

In nur 42 Stunden wurde das Country-Band in den Grenzlandstudios auf­genommen. „Wir sind gut vorbereitet in das Studio gegangen: Stücke und Ar­rangements standen bereits vorher fest. Denn jede Minute kostet da schließlich unser Geld." Gute Laune bei der Aufnahme und ein engagierter Mann am Mischpult taten ihr Übriges, um die vier Tage im Studio zu einem Erlebnis für die Weseler werden zu las­sen. „Es ist alles in einer angenehmen und lustigen Athmosphäre über die Bühne gegangen." Der Produktion hat das gutgetan, denn das musikalische Ergebnis ist durchaus hörenswert und überra­schend sauber produziert. Dement­sprechend scheut sich Lohbeck auch nicht, beim Beschreiben der Aufnahme zu Superlativen zu greifen: „Das ist ein­fach eine traumhafte Sache für Wesel und jeden Countryfan", schwärmt der Schlagzeuger.

„Aber", so verspricht der Country Mann: „Das wird keine Werbeveran­staltung sondern ein echtes Country-Konzert." Mit allem was dazugehört: Cowboyhüte, Squaredance und Stim­mung, denn hier macht den Country-fans so schnell keiner etwas vor. Und natürlich gibt es auch die Songs von der preßfrischen Kassette zu hören. Um 20 Uhr soll es im Saal der Gast­stätte „Am Schwan" in Lackhausen los­gehen. Dort kann man dann auch die Kassette „Welcome Country" zum er­sten Mal kaufen. Damit mancher sich auf der Heimfahrt bereits den großen Traum von der Countryfreiheit erfüllen kann.

 

SEBASTIAN LATZEL

 

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